Weser-Kurier 3. Januar 2009

Weser - Kurier, 3. Januar 2009, Seite 2 (Kommentar)

Symbol-Zone
Michael Brandt über den Start der Umweltzone in Bremen

Nicht nur mancher Altwagen hat bei der augenblicklichen Witterung Startprobleme. Auch die Bremer Umweltzone nimmt mit Stottern und der ein oder anderen Fehlzündung Fahrt auf: Noch längst nicht alle Fahrzeuge haben eine Plakette, Kontrollen gibt es vorerst auch keine. Überhaupt kleckert Bremen hinterher, andere Städte haben ein Jahr Vorsprung.
Viele Qualitäten sind der Umweltzone in der hitzigen Debatte zugesprochen worden. Sie ist dämonisiert und mystifiziert worden. Kritiker fürchteten gleich das Aus kleiner Firmen und nachhaltige Schäden für den Einkauf in der Innenstadt, Befürworter hoffen auf sinkende Feinstaubwerte und bessere Luft.
Noch ist das alles Glauben. Wissen wird sich erst einstellen, wenn nach dem Juli 2011 die Umweltzone auf "scharf" gestellt ist und tatsächlich alle draußen bleiben müssen, die nur rote oder gelbe Aufkleber vorweisen können. Heute kann niemand sagen, ob die Rechnung aufgeht. Schon für das Jahr 2008 ist für die Neuenlander Straße nach der Inbetriebnahme der Autobahn eine Entlastung vorhergesagt worden - stattdessen ist die Feinstaub-Belastung dort noch gestiegen.
Das alles ist kein Argument, die Umweltzone zu kippen. Die Bremerinnen und Bremer brauchen bessere Luft. Doch die Umweltzone allein wird dies nicht schaffen. Sie ist klein, inkonsequent und voller Schlupflöcher. Fraglich, ob sie zum Beispiel mit all ihren Ausnahmeregelungen überhaupt einer rechtlichen Prüfung standhalten würde. Dennoch bleibt sie alternativlos. Selbst wenn sie nur dazu beiträgt, einen Teil der Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, dass Mobilität nicht gleichbedeutend mit ungebremstem Schadstoffausstoß sein muss.
Die Umweltzone ist ein Baustein auf dem Weg zu frischer Luft. In diesem Jahr kommt mindestens ein autofreier Aktions-Sonntag hinzu, vielleicht mehr. Auch dieser hat fast hundertprozentigen Symbol-Charakter. Bei einem der nächsten Anläufe sollten Umweltbehörde und Senat dazu übergehen, statt über reine Symbolik auch über wirksame Änderungen nachzudenken. Damit wir auch morgen noch kraftvoll Luft holen können.